Erfinde Mich Neu-  Die eigene Person als Ausgangspunkt für Collage, Bricolage, Assemblage

„Sich neu erfinden“ ­– ein eher hoffnungsloses Unterfangen, aber als Zeitgeist-Slogan heute von großer Beliebtheit. Vom Lifestyle-Umbau und der Schönheits-OP an der physisch-analogen Präsenz bis zu Photoshop-Bearbeitung, Collage-Apps, digitalen Chat-Identitäten und Auswahl-Charakteren im Videospiel: es gibt viele Möglichkeiten – um nicht zu sagen, „tools“ –, an der eigenen Persönlichkeit herumzuschrauben und sie neu zusammenzusetzen.

Die eigene Person soll Ausgangspunkt für diese Variante einer Übung zum Thema Collage, Bricolage, Assemblage sein. Unsere tools sind aber neben den Genannten auch Ironie, kritischer Kommentar, Zweifel, Witz und Persiflage.

Und Selbst-Kleben und -Schrauben ist auch noch erlaubt und erwünscht. Ausgehend von der Arbeit mit Text und Bild wird sich die Persönlichkeitsveränderung in den Raum entfalten, kann ein Moodboard auch ein Moodroom werden und eine Gesichts-App auch eine Vollplastik.


Ausgehend von künstlerischen Arbeiten, praktischen Übungen und einigen Texten beschäftigt sich dieses Seminar mit humorvoller Kunst aus sozialkritischen Perspektiven. Diese Kombination ist kein Zufall, denn bevorzugter Angriffspunkt von Witzen sind häufig die vermeintlichen Schwachstellen der Anderen. Damit sind Sexualisierung, Rassifizierung/Ethnisierung und andere abwertende Einstellungen gegenüber bestimmten Personengruppen –allgemein gesagt das Prinzip des ‚Othering‘–zentrale Bausteine der Regimes des Lächerlichen. Insbesondere minorisierte Schüler_innen und Lehrer_innen erleben das verstärkt in der Schule. Als Gegenmaßnahmen sind das Zurücklachen oder auch ein Umlenken der Aufmerksamkeit auf angeblich normale Umstände denkbar. Auch die Gleichförmigkeit gesellschaftlicher Mehrheitsphänomene nämlich wirkt aus der Distanz manchmal lächerlich. Das Komisch-Werden steht demnach für eine spezifische Variante des Fremd-Werdens (Koch 2002 mit Bezug auf Brecht). Es kann „in der Form der Kritik geschehen, aber auch in der Weise des positivenUmformen“(ebd). Die kognitionstheoretische Ansicht, dass Komik auf Inkongruenz basiert, somit auf Kontraste oder Überraschungen angewiesen ist, weist Parallelen zu künstlerischen Verfahren des Verschiebens und Irritierens auf. Es ist also naheliegend, dass in den betrachteten künstlerischen Projekten etwas über Differenzreflexivität und Humor auch für die pädagogische Praxis zu lernen ist.

Ziele des Seminars sind die Differenzierung von Humorbegriffen und -praktiken, die Erkundung des eigenen Humors und seiner Situiertheit, die Sensibilisierung für andere Perspektiven und die Annäherung an Humor als künstlerisch-pädagogische Strategie.

Das Kolloquium dient der Vorbereitung und Begleitung von Abschlussarbeiten sowie von Promotionen. Inhalte je nach Bedarf: Schreib- und Leseübungen, Theoriediskussion, kreatives Schreiben, Diskussion von Fragestellung/Gliederung/Textausschnitten. Die jeweils aktuelle Terminplanung ist im Moodle-Raum zu finden. Die Teilnahme beinhaltet: die Vorstellung und Diskussion eigener Texte im Kolloquium.

 

BEGINN: Mo 15.10.2018, 14tägig und Einzeltermine


MOODLE2-Raum: Kunstpädagogisches Kolloquium 1819, kurz: KuPaedKoll 1819,  Zugang: auf Anfrage