Das Seminar behandelt die Wortarten des Deutschen. Die Wörter einer Sprache in „Arten“ einzuteilen, ist motiviert durch die Annahme, dass sich die Vielzahl an sprachlichen Einheiten auf Wortebene letztlich auf eine überschaubare Zahl von Klassen zurückführen lässt, deren jeweilige Vertreter beim Strukturaufbau von Sätzen, beim Aufbau von Satzbedeutungen und in Bezug auf das sprachliche Handeln ähnliche Aufgaben übernehmen. Je nach dem, welche Kriterien man im Einzelnen ansetzt und wie man sie gewichtet, kann man dabei zu unterschiedlichen Einteilungen gelangen.

Im Seminar wird zunächst das Wissen zu den sog. „Schulwortarten“ aufgefrischt. Anschließend werden wir uns alternative Wortartenklassifikationen aus wissenschaftlichen Grammatiken des Deutschen ansehen und die Stärken und Defizite einzelner Vorschläge diskutieren.

Im letzten Teil des Seminars werden wir uns der Frage zuwenden, welche Rolle Wortarten im Bereich Korpuslinguistik und bei der automatischen Sprachverarbeitung spielen, d. h. in Forschungs- und Entwicklungskontexten, in denen es darum geht, Wortarten automatisch zuzuweisen und Wortarteninformationen bei der Analyse von Sprachkorpora zu nutzen. Zu diesem Zweck unternehmen wir einen (kleinen) Ausflug in die Nachbardisziplin der Computerlinguistik bzw. Sprachtechnologie und deren Perspektive auf grammatische Strukturen. Keine Bange: Um diesen Teil des Seminars nachzuvollziehen, benötigen Sie keinerlei Spezialwissen aus dem Bereich Informatik. Neugier genügt.

Zu einem vertieften Wissen zur deutschen Grammatik gehört die Befähigung, grammatische Kategorien für die Sprachanalyse nutzen zu können. Daher werden in das Seminar auch ausführliche „praktische“ Anteile integriert sein, in denen wir gemeinsam Beispiele (auch knifflige) analysieren und die Analyseergebnisse diskutieren.

Lehrender: Prof. Dr. Michael Beißwenger

Termin und Raum: Donnerstag, 12-14 Uhr, A - A-114 (Altendorfer Str. 5-9)