Populismus ist eine der zentralen
Herausforderungen demokratischer Gesellschaften, darin scheint man sich einig.
Weniger Klarheit besteht allerdings darüber, worin diese Herausforderung genau
besteht, was also mit diesem diffusen Phänomen genau bezeichnet wird: So
selbstevident der Begriff scheint, eine analytisch gehaltvolle oder gar
einheitliche Definition ist kaum gegeben. Populismus reicht damit vom politisch
diffamierenden Kampfbegriff über die positive Selbstbeschreibung bis zur
politikwissenschaftlichen Analysekategorie.

Das ist kein Zufall, denn die
Konfusion um den Begriff des Populismus bezeugt dabei zu allererst, dass sich
darin eine ganze Bandbreite von Problemen der Demokratie verdichten, die
schwierig auseinanderzuhalten sind. Fragen der Repräsentation und Legitimation
mischen sich mit Aspekten sozialer Ungleichheit, wirtschaftlicher Deprivation,
Ressentiments und Affekten. Im Populismus drückt sich jene vielgestaltige Krise
aus, die der Demokratie seit einiger Zeit diagnostiziert werden und die darin
entschlüsselt werden muss. Daher steht fest: Über Populismus zu sprechen
bedeutet, über die Demokratie zu sprechen. Oder in anderen Worten: „Populismustheorie
ist notwendigerweise Demokratietheorie“ (Müller 2016: 14).


Das Seminar will sich dieser
Herausforderung annehmen und sich über die zeitgenössische Problemdiagnose des
Populismus mit den demokratietheoretischen Grundlagen unserer Gegenwart und
deren Krisenerscheinungen auseinandersetzen. Dabei soll eine fundierte Kenntnis
demokratietheoretischer Grundlagen vermittelt werden, die es ermöglichen soll,
die aktuellen Krisen- und Problemdiagnosen zur Demokratie nachzuvollziehen und
zu bearbeiten.