Mehr und mehr wird die theoretische Reflexion der Erkenntnis relevant, dass Europa nicht der Mittelpunkt der Welt ist, also auch nicht der „Normalfall“ oder Maßstab. Gerade die vielgestaltige Gegenwart des Christentums findet sich deutlich ausgeprägter im globalen Süden.
Die theoretischen Arbeiten des Postkolonialismus wachsen dabei aus den Praktiken und Erfahrungen des Widerstands gegen koloniale Herrschaft, der gerade auch in religiösen Kontexten stark verwurzelt ist. Dabei wäre es ein Missverständnis, aus dem Begriff der Post-Kolonialität zu folgern, dass diese Studien ausschließlich eine Gegenwart chronologisch nach dem historischen Zeitalter des Kolonialismus adressieren: Vielmehr geht es um die kritische Aufdeckung und Dekonstruktion der von kolonialer Macht beeinflussten Denkweisen, ihrer prägenden kulturellen Kraft und ihrer politischen und wirtschaftlichen Machtstrukturen über das Ende der historischen Kolonialzeit hinaus.
Neben „Klassikern“ der postkolonialen Theorie – Said, Spivak, Bhabha oder Mbembe – werden wir uns im Seminar insbesondere den Herausforderungen, Chancen und Ambivalenzen dieser Theorien für das systematisch-theologische Nachdenken widmen.

Das Seminar dient anhand des beispielhaften Ansatzes der für die ökumenischen Debatten unserer Gegenwart unerlässlichen Grundlage der Konfessionskunde der Vertiefung kirchengeschichtlicher und systematisch-theologischer Perspektiven.
Es gilt, über die Gegenüberstellung „katholisch – evangelisch“ oder „lutherisch – reformiert“ hinaus einen detaillierteren Blick auf die diversifizierte Struktur christlicher Konfessionen und Denominationen zu richten. Dabei geht es nicht nur um kirchliche Lehre, wie sie sich in den Bekenntnisschriften und Glaubensbekenntnissen niederschlägt, sondern darüber hinaus um die gesamte Lebenserscheinung der jeweiligen christlichen Kirchen und Gemeinschaften in ihrer geschichtlichen Entwicklung. Ein Schwerpunkt wird auf der Frage liegen, wie die Kommunikation von und über konfessionelle Differenzen und Gemeinsamkeiten in Unterrichtskontexten ebenso wie in zivilgesellschaftlichen Debatten fruchtbar gemacht werden und gelingen kann.
Das Seminar betrachtet historische Entwicklungen genauso wie systematisch-theologische Fragestellungen im Blick auf die Ökumene; insofern ist es in den entsprechenden Modulen gleichsam für die Bereiche Historische und Systematische Theologie anrechenbar.