Im Juni 2022 hat die Kulturministerkonferenz neue, verbindliche
Bildungsstandards für das Unterrichtsfach Deutsch verabschiedet. Im
Unterschied zur vorigen Fassung der Standards sind in der Neufassung
erstmals systematisch auch Bildungsziele enthalten, die den Beitrag des Deutschunterrichts zur Vermittlung digitalitätsbezogener Kompetenzen
beschreiben. Digitalitätsbezogene Kompetenzen sind solche Fähigkeiten
und Fertigkeiten, die für die Orientierung in einer durch digitale
Angebote geprägten Gesellschaft, in der Lebens- und Arbeitswelt benötigt
werden. Ein zentraler Beitrag des Faches Deutsch zum Aufbau solcher
Kompetenzen betrifft die Entwicklung einer kritischen
Reflexionsfähigkeit in Bezug auf die Angebote der ‚digitalen Welt‘ und
im Hinblick auf die Prägung des individuellen und gesellschaftlichen
Handelns durch den Umgang mit und die Allgegenwart von digitalen
Technologien. Als Stichpunkte seien genannt: Künstliche Intelligenz, Big
Data, Überwachung durch Algorithmen, virtuelle ‚Echokammern‘, Hate
Speech und Diskriminierung in sozialen Netzwerken, Verbreitung von
Verschwörungstheorien und ‚Fake News‘ über digitale Kanäle.
Einen ebenso aufschlussreichen wie spannenden Spiegel der gesellschaftlichen Aneignung und Reflexion der ‚Kultur der Digitalität‘
(Stalder 2016) und ihrer Dynamik bilden Werke der Gegenwartsliteratur
und Kunst (bildende Kunst, Film, Theater, Hörmedien, Musik), die Aspekte
der Prägung von Kultur und Gesellschaft durch Digitalität und Internet
aufgreifen und diese künstlerisch verarbeiten. Diese können als Seismographen gesellschaftlicher Prozesse, Umbrüche und Konflikte
betrachtet und in Bezug zur Alltagserfahrung der Schülerinnen und
Schüler im Umgang mit digitalen Angeboten gesetzt werden. Davon
ausgehend lassen sich die Wirkungen digitaler Transformationsprozesse
auf Individuum und Gesellschaft diskutieren und Strategien des Umgangs
mit den Gegenständen der ‚digtialen Welt‘ im individuellen Handeln
entwickeln. Die Potenziale eines über künstlerische Artefakte
vermittelten Zugangs zu den Herausforderungen, Risiken und Chancen der
Kultur der Digitalität sind in der Deutschdidaktik zum gegenwärtigen
Stand erst in Ansätzen erschlossen.
Genau hier setzt dieses Seminar an, das als übergreifende Veranstaltung der Teilbereiche Literaturdidaktik und Mediendidaktik
durchgeführt wird und die beiden damit verbundenen Perspektiven
zueinander in Beizehung setzt. Unter literaturdidaktischer Perspektive
stehen Fragen der unterrichtlichen Auseinandersetzung mit literarischen
Texten und Werken der Kunst im Vordergrund, in denen Aspekte der
Digitalität künstlerisch verarbeitet sind. Unter mediendidaktischer
Perspektive steht die Entwicklung einer Didaktik des Umgangs mit der
digitalen Alltagsrealität im Fokus, die auf dem Wege der Reflexion ein
kritisches Bewusstsein für die dadurch eröffneten Möglichkeiten,
Herausforderungen und Risiken fördert.
Hniweis zur Anrechenbarkeit: Das Seminar kann entweder für den Teilbereich Mediendidaktik oder für den Teilbereich Literaturdidaktik
angerechnet werden. Die Anrechenbarkeit ergibt sich mit der
Seminarzulassung. Wenn Sie das Seminar für den Bereich Mediendidaktik
anrechnen lassen möchten, bewerben Sie sich bitte (per LSF) um einen
Seminarplatz im Seminar von Prof. Dr. Michael Beißwenger. Wenn Sie das
Seminar für den Bereich Literaturdidaktik anrechnen lassen möchten,
bewerben Sie sich bitte um einen Seminarplatz im gleichnamigen Seminar
von Dr. Liane Schüller, das im Vorlesungsverzeichnis im Bereich
Literaturdidaktik eingeordnet ist.