Seit einiger Zeit erfreut sich die Geschichte des
Wissens zunehmender Beliebtheit. Galt die Aufmerksamkeit der älteren
Wissen(schaft)sgeschichte zunächst vor allem den studierten Gelehrten und der
Entstehung der modernen Wissenschaften, so gelangten mit der kulturhistorischen
Wende zahlreiche Aspekte frühmoderner Wissensproduktion in den
Fokus, die quer zu der bis dahin vorherrschenden
Fortschrittslogik liegen. Das Augenmerk solcher wissenshistorischen Forschungen
richtet sich stärker auf die Funktionen des Wissens, seine Akteure, Praktiken
und Institutionen. Auf diese Weise werden nicht nur die „kulturelle
Situiertheit“ des Wissens und seine historische Wandelbarkeit deutlich, sondern
auch Wissensbestände in den Blick genommen, die wie Magie, Aberglaube und
Alltagswissen jenseits eines engen Wissensbegriffs liegen.
Die Vorlesung gewährt einen Einblick in die Geschichte von Wissen und
Wissenschaft in den drei Jahrhun
derten zwischen 1500 und 1800 und damit in
eines
der produktivsten Forschungsfel
der der letzten drei Jahrzehnte. Im
Zentrum des Interesses steht die Frage nach den verschiedenen Orten, Akteuren,
Medien und Praktiken
der Wissensproduktion,
-aneignung, -vermittlung und -organisation. Damit verbunden sind zugleich
Fragen nach
der Kommerzialisierung und dem Zusammenhang von Wissen und Raum
sowie Wissen und Macht. Ziel ist es, spezifische frühneuzeitliche
Wissenskulturen zu identifizieren und
deren Merkmale zu bestimmen.
Literaturhinweise:
Peter Burke, Papier und Marktgeschrei. Die Geburt
der Wissensgesellschaft, Berlin 2001; Richard van Dülmen / Sina Rauschenbach
(Hg.), Macht des Wissens. Die Entstehung der modernen Wissensgesellschaft,
Köln-Weimar-Wien 2004; Jörg Rogge, Tradieren, Vermitteln, Anwenden. Zum Umgang
mit Wissensbeständen in spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Städten
(Beiträge zu den Historischen Kulturwissenschaften, Bd. 6), Berlin 2008.