Das Seminar führt in die intersektionale Analyse von
Organisationen ein und gibt Anregungen und Gelegenheit zur eigenen
empirischen Untersuchung von Organisationen und ihrer Darstellung von
Diversität. Organisationen sind soziale Gebilde, in denen relevante
gesellschaftliche Ressourcen und Teilhabechancen generiert und verteilt
werden. Im Seminar geht es um Bildungs- und Arbeitsorganisationen wie
Schulen und Hochschulen, Verwaltungen und Unternehmen.
Im ersten Teil des Seminars werden wir die inhaltlichen Grundlagen zu
Geschlechterverhältnissen und intersektionalen Ungleichheitsregimen in
Organisationen erarbeiten. Im zweiten Teil des Seminars geht es darum,
wie entsprechende Analysen mit Hilfe unterschiedlicher Methoden der
empirischen Sozialforschung durchgeführt werden können. Der Fokus liegt
auf Methoden, die mit einem geringen finanziellen und logistischen
Aufwand durchgeführt werden können und vorgefundenes Material
analysieren, z.B. Homepages und Dokumente, die von Organisationen zum
Download bereit gestellt werden. Dabei geht es auch um die Frage von
Selbst- und Menschenbildern in Organisationen und den Bildern, die
Organisationen von sich selbst und anderen öffentlich erzeugen. Deshalb
werden auch bild- und diskursanalytische Verfahren angesprochen.
Der dritte Teil des Seminars gibt Gelegenheit zur eigenen empirischen
Forschung. Dabei ziehen wir Schlussfolgerungen auf soziale und
vergeschlechtlichte Ungleichheiten in Organisationen, ihre
intersektionalen Überkreuzungen und Möglichkeiten zu ihrem Abbau.
Das Seminar findet in Form von digitalen wöchentlichen Sitzungen (BBB
oder Zoom) und asynchronen Einheiten im Selbststudium statt.
Leistungsanforderungen: Regelmäßige Vorbereitung der Seminartermine,
Lektüre der Seminartexte und Bearbeitung von Arbeitsaufgaben im
Selbststudium.
Studienleistung: Referat oder schriftliche Ausarbeitung zu einer eigenen empirischen Untersuchung (z.B. Homepageanalyse).
Prüfungsleistung: Hausarbeit
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